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Gemeinsam für ein Ziel: Deeskalation von Gewalt und Rassismus

Israelische, palästinensische und deutsche Ausbildungsgruppen erhielten Zertifikate der Gewalt Akademie Villigst

Es war ein doppelt besonderer Anlass zu dem Landesjugendpfarrer Udo Bußmann am Mittwoch (01.12.) die 220 Anwesenden in Haus Villigst, der Tagungsstätte der Evangelischen Kirche von Westfalen, begrüßte. 127 neue Absolventen der Ausbildung zum/zur Deeskalationstrainer/in Gewalt und Rassismus der Gewalt Akademie Villigst (GAV) erhielten ihre Zertifikate und Bescheinigungen über einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss.

Jerusalem und Ramallah
Erstmals waren auch eine palästinensische und eine israelische Ausbildungsgruppe unter den Geprüften. Bereits im Jahr 2004 wurden sowohl die Initiative "SOS-Gewalt / Zentrum für Gewaltstudien in Israel" in Jerusalem als auch die Initiative “SOSGewalt/ Zentrum für Gewaltstudien in Palästina” in Ramallah gegründet. Dies geschah nach dem Vorbild und mit der Unterstützung der (SOS)-Gewalt-Akademie Villigst. Die beiden Zentren arbeiten seitdem eng zusammen. Sie kooperieren in Seminaren und Fortbildungen von Mitarbeitern sowie im wissenschaftlichen Austausch und beim Einsatz von Volontären aus Europa. Über die Entwicklung und den Einsatz von Methoden erfolgt ebenfalls ein ständiger Erfahrungsaustausch. "Eine Kooperation gelingt, dennoch ist auf Grund der politischen Situation eine gewisse Distanz durchaus spürbar", so Ralf-Erik Posselt Moderator der Gewalt Akademie und Referent im Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen über die Zusammenarbeit der beiden Initiativen. Zunächst nahmen Mitglieder beider Gruppen immer wieder an Trainings der GAV teil. Nun gelang es zum ersten Mal, dass Mitglieder beider Gruppen die komplette einjährige, berufsbegleitende Ausbildung der GAV absolvierten. Die wesentlichen Inhalte wurden vor Ort in Israel und Palästina vermittelt. Dem Abschlusskurs unterzogen sich die Bewerber in der vorangegangenen Woche hier in Deutschland und konnten so auch an dem traditionellen "Dinner" für Trainerinnen und Trainer teilnehmen, dass jährlich der Zertifizierung vorangeht. Bei der Übergabe der Zertifikate erörterte Georg Rössler, Teilnehmer der israelischen Ausbildungsgruppe, humorvoll, dass sich Carl- Wilhelm Borgstedt, deutscher Ausbildungsleiter der Gruppe und Polizist, sich hervorragend „geschlagen habe“. „Der Orient ist eben ganz anders! Das ist für einen deutschen Polizisten manchmal sicher nicht ganz einfach gewesen“, so Rössler im Rückblick auf die Zeit der Ausbildung.

Ralf-Erik PosseltEin Zebra wird ausgewildert
Das zweite Besondere an diesem Abend war der Abschied der GAV von ihrem Moderator Ralf-Erik Posselt. Dieser wird im kommenden März aus seiner Tätigkeit als Referent des Amtes für Jugendarbeit ausscheiden und in den Ruhestand gehen. Seit seinem Amtsantritt 1983 hat der Diakon und Pädagoge die Themen Gewalt und Rassismus immer wieder beharrlich in den öffentlichen Fokus gerückt. Auf seine Initiative hin entstanden zahlreiche Projekte (Schule ohne Rassismus, Antirassismus Kalender, Marokko-Projekt, Aktion Noteingang, Politik begreifen, Stadt x hat keinen Platz für Rassismus, Projekt Rosenstraße), die den sensiblen Umgang mit den gesellschaftlich hoch relevanten Themen vorantrieben und das weit über Nordrhein-Westfalen hinaus. Zunächst fand die Bündelung der Aktivitäten um Ralf-Erik Posselt in der Initiative SOSRassismus- NRW Platz. Im Jahr 1998 flossen alle Erfahrungen und Erkenntnisse dieser Initiative in die Gründung der Gewalt Akademie Villigst ein. Heute steht die GAV auf festen Füßen und auch nach dem Rücktritt Posselts aus dem Leitungskreis der Organisation wird die Arbeit weitergeführt. Auch das Logo mit den Zebras wird bleiben. Das Zebra stand bereits in der Zeit von SOS-Rassismus- NRW als Sinnbild gegen ein schwarz/weiß Denken, „welches der Vielfalt des Lebens nie gerecht werden kann“, so Posselt. „Manche Menschen arbeiten, um sich selbst darzustellen. Das sind die Schlechten. Dann gibt es Menschen, die tun es für die Sache. Das sind die Guten. Und dann gibt es welche, die tun es für die Menschen. Das sind die Besten und so einer ist Ralf-Erik Posselt“. Mit diesen Worten verabschiedete im Namen der GAV Axel Dumschat den langjährigen Wegbegleiter, der so viele Wege der Akademie beeinflusst hat. Symbolisch wurde Posselt anschließend sanft wie auf einer Sänfte behutsam aus dem Saal getragen, um nun, frei von den Verantwortungen um die GAV, seinen neuen Lebensabschnitt zu beginnen.

Sie wächst weiter
Neben den Ausbildungsgruppen aus Israel und Palästina wurden sieben weitere Ausbildungsgruppen aus den Regionen Leverkusen, Essen, Soest-Erwitte, Münster-Osnarbrück, Dorsten, Unna und Gütersloh zertifiziert. Damit stehen von Seiten der GAV seit diesem Jahr über 1.125 Trainer/innen zur Verfügung, die sich aktiv der gesellschaftlichen Problematik von Gewalt und Rassismus stellen. Ob Mobbing auf Schulhöfen oder Betrieben, rassistische Pöbeleien in Straßenbahnen oder gewalttätiges Verhalten von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen: Gewalt begegnet uns häufiger als gedacht, wie die Mitglieder der GAV wissen. Die Trainerinnen und Trainer der Akademie stehen zur Verfügung, um für solchen Situationen mit Gruppen oder Multiplikatoren, wie zum Beispiel Lehrerinnen und Lehrern oder Erzieherinnen und Erziehern, präventiv und deeskalierend zu arbeiten. Auch in akuten Krisen mit eskalierender Gewalt können die Trainer als Moderatoren hinzugezogen werden. Dass die Akademie auch ohne Ralf-Erik Posselt weiterhin von kompetente Menschen getragen wird, zeigte auch die Ernennung von sechs neuen Moderatorinnen und Moderatoren. Diese haben an der einjährigen berufsbegleitenden Fortbildung zur/m Moderator/in für kollegiale Ausbildungsgruppen der Gewalt Akademie Villigst (GAV) teilgenommen und diese erfolgreich abgeschlossen. Damit haben sie die theoretischen und praktischen Vorraussetzungen und Erfahrungen erworben, um Teilnehmer/innen in kollegial arbeitenden Ausbildungsgruppen verantwortlich zu begleiten, zu beraten und weiterbilden zu können. Auch die Spitze der Organisation ist an diesem Abend weiter gewachsen, denn auch neun neue Lehrtrainer/innen wurden an diesem Abend berufen. Diese haben sich dadurch qualifiziert, dass sie mindestens seit 3 Jahren aktive, praktizierende Trainer und Mitglieder der Gewalt Akademie Villigst sind und regelmäßig mehrtägige Trainings mit unterschiedlichen Zielgruppen durchgeführt haben. Darüber hinaus haben sie als Moderatoren einen Trainer/innen – Ausbildungsjahrgang kontinuierlich begleitet und sind damit anerkannt, Trainings im Rahmen der Ausbildung zum/zur Deeskalationstrainer/in Gewalt und Rassismus (GAV) anzubieten und durchzuführen.

 

Die Gewalt Akademie Villigst existiert seit 1998 und hat bislang über 1.125 Deeskalationstrainer/innen gegen Gewalt und Rassismus ausgebildet. Sie entstand aus der Initiative des Villigster Deeskalationsteams Gewalt und Rassismus im Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen und ist dort organisatorisch eingebunden und institutionell verwurzelt. Ausführliche Informationen zur Ausbildung, den Trainer/innen und der Gewalt Akademie Villigst sind zu finden unter www.gewaltakademie.de

Weitere Eindrücke des Abends


Stefan Carl, Sprecher der Gewalt Akademie Villigst.
Georg Rössler aus der Ausbildungsgruppe Israel.
Rössler bekommt sein Zertifikat vom Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen Udo Bußmann überreicht.
Die ganze Ausbildungsgruppe aus Israel mit Landesjugendpfarrer.
Ausbildungsgruppe Leverkusen.

Ausbildungsgruppe Essen.
Ausbildungsgruppe Münster-Osnabrück.
Ausbildungsgruppe Dorsten.
Ausbildungsgruppe Unna.
Einblick in die Situation und die Arbeit in Palästina.
Der Landesjugendpfarrer überreicht die Zertifikate an die Teilnehmenden aus Palästina.
Die ganze Ausbildungsgruppe Palästina mit Trainerin Susanne Edgington, Trainer Alf Kontermann und Landesjugendpfarrer.
Carl-Wilhelm Borgstedt, Trainer der Ausbildungsgruppe Israel.


Ausbildungsgruppe Soest.
Glückwünsche waren angebracht! Auch die neuen Moderatorinnen erhielten ihre Zertifikate.
Gruppenbild der frisch zertifizierten Moderatorinnen.
Ralf-Erik Posselt - höchst persönlich.
Ralf-Erik Posselt überreicht den neuen Lehrtrainerinnen und Lehrtrainern das Symbol der "Macht" - den gezebraten Wickinginger Helm.
Alle neuen Lehrtrainerinnen und Lehrtrainern mit Ralf Erik-Posselt und Landesjugendpfarrer.
Andreas Pötter - noch ganz ergriffen von der neuen Ehre.
Zwischen den ganzen Würdigungen sorgte eine Samba-Truppe für ordentlich Rythmus und Bewegung.
Die Zebras! Natürlich durften die bei der Dekoration des Festsaales nicht fehlen.
Landesjugendpfarrer Udo Bußmann bei seiner Ansprache an die Festgesellschaft.
Eine Foto-Show sorgte für reichlich Eindrücke aus dem bewegten Leben Ralf-Erik Posselts.
Interessiert verfolgten die Fotoshow nicht nur die Gäste.

Ausgelassene Freude bei den Teilnehmenden der israelischen Ausbildungsgruppe.
Nach der geleisteten Arbeit und die Zertifikate in der Tasche, wurde zu den Samba Klängen dann auch ein kleines Tänzchen gewagt.
Das hat er und ohne Zögern lässt er sich in ihre Hände fallen.

Sanft und gut gebettet, wird Ralf-Erik Posselt "aus seiner langjährigen Verantwortung herausgetragen".
Ein Zebra wird ausgewildert - Ralf Erik Posselt am Ende der Verabschiedung und einem leitenden Weg mit der Akademie mit der klassischen "Marke" der Gewalt Akademie Villigst, dem Zebramuster.