Verabschiedung Ralf-Erik Posselt

Ein Überzeugungstäter verabschiedet sich - Ära Posselt geht zu Ende

Ralf-Erik Posselt, Referent für Gewalt und Rassismus im Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), wurde in den Ruhestand verabschiedet.

Schwerte. In einem Gottesdienst mit anschließendem Festakt ist Ralf-Erik Posselt, Referent des Amtes für Jugendarbeit der EKvW am Donnerstag, den 24. März in Haus Villigst (Schwerte) aus dem kirchlichen Dienst in den Ruhestand verabschiedet worden. Der seit 1983 im Amt für Jugendarbeit tätige Diakon und Pädagoge wurde vom Landesjugendpfarrer und Leiter des Amtes für Jugendarbeit, Udo Bußmann, mit den Worten offiziell aus seiner Tätigkeit ausgesegnet: „Hiermit bist du frei von all deinen Pflichten, die sich aus der Arbeit ergeben“.

Der Blick für die Außenseiter
„Ralf-Erik Posselt hat immer die Menschen im Blick gehabt, die nicht im Rampenlicht unserer Gesellschaft stehen“, so Bußmann. Er verglich Posselt an dieser Stelle mit der Geschichte des biblischen Zachäus, der keine gesellschaftliche Anerkennung genoss und dennoch von Jesus gesehen wurde. „Offene Arbeit war für Ralf-Erik Posselt das Lebensthema, und so wie Jesus Zachäus wahrnimmt, so nimmt die Offene Arbeit Jugendliche wahr, die am Rande stehen und stiftet dort Sinn, wo Sinn nicht einfach so entsteht“.

Die Hand Gottes
Die Frage nach dem Wirken Gottes in seiner Arbeit beantwortete Ralf-Erik Posselt mit den Worten: „In meiner Arbeit gab es immer eine Mischung aus perfekter Planung und einem hohen Risiko. Immer wieder habe ich mich dabei ganz in Gottes Hand gegeben. Ich hatte immer einen Deal mit Gott: Ich mache meinen Job so gut ich kann und Gott macht seinen. Das hat immer super funktioniert“.

Posselt verabschiedete sich mit den Worten von seinen kirchlichen Kollegen: “Passt gut auf den Laden auf“ und zu allen Gästen mit einem Lachen „Wir werden uns bestimmt noch wieder sehen, denn es gibt noch so manches in diesem Land zu tun!“

Das Werk
Posselt hat es immer wieder geschafft, sowohl dem oft unsichtbaren Engagement im Kleinen, als auch demjenigen von politischen Größen eine öffentliche Bühne zu geben und dadurch ein deutliches politisches Zeichen gegen Diskriminierungen und Rassismus zu setzen. Durch seine gelebte Gradlinigkeit und seine Entschlossenheit war er stets ein authentisches Vorbild für Jugendliche und hat zu vielen Aktionen den Anstoß gegeben.

Projekte und Initiativen
Posselt engagierte sich seit Mitte der siebziger Jahre in Menschenrechtsgruppen, in der Offenen Arbeit und in Initiativen mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus Flüchtlings- und Zuwandererfamilien. Nach seinem Amtsantritt im Amt für Jugendarbeit 1983 verantwortete er zunächst das Arbeitsfeld der Offenen Arbeit und zunehmend auch das thematische Feld Gewalt und Rassismus.

Bereits 1983 entstand unter dem Dach des Amtes für Jugendarbeit in Haus Villigst die Initiative SOS-Rassismus-NRW (SOS-R-NRW). Aktionen und Workshops waren der Start für eine Initiative und ein Bündnis von zuweilen weit über 250 Gruppen in NRW und darüber hinaus. Ab 1995 verantwortete Posselt bis heute die jährliche Herausgabe des Antirassismuskalenders mit einer Auflage von je ca. 15.000 Exemplaren.

Edition Zebra
In der 1994 von Posselt gegründeten „Edition Zebra“
(als Selbstverlag) erschienen bis heute über 80 Publikationen mit theoretischem, wissenschaftlichen Hintergrundinformationen bis praxisorientierte Arbeitsmaterialien für den eigenen Einsatz gegen Gewalt und Rassismus. Das „Projekthandbuch Gewalt und Rassismus“ aus dieser Reihe wurde mit dem „Gustav-Heinemann-Friedenspreis des Landes NRW ausgezeichnet.

Goldener Hammer
2008 erhielt er als Initiator und Wegbegleiter des GOLDENEN HAMMERS einen Ehrenpreis. Seit den Anfängen des GOLDENEN HAMMERS 1988 stand Ralf-Erik Posselt als die treibende Kraft hinter dieser Auszeichnung. Mit dem „GOLDENEN HAMMER gegen Gewalt und Rassismus“ wurde ein Preis initiiert, der glaubwürdig für Menschlichkeit und Zivilcourage steht und jährlich vom Landesjugendring vergeben wird.

Gewalt Akademie Villigst
Mit der Gründung des Villigster Deeskalationsteams“
1998 wurde durch Posselt der Grundstein für die Gewalt Akademie Villigst (GAV) gelegt, die 2002 entstand. Die Gewalt Akademie Villigst erhält im Jahr 2006 die Auszeichnung über besonderes zivilgesellschaftliches Engagement vom Bündnis für Demokratie und Toleranz in Berlin. Die GAV mit heute  über 1.000 ausgebildeten Gewalt-Deeskalationstrainer/innen gilt über die Grenzen Deutschlands hinaus als vorbildliche Aktivität an der Schnittstelle von Kinder- und Jugendwelten und der praktischen, handlungsorientierten Prävention und Deeskalation von Gewalt und Rassismus. Aufgabe und Praxis der Gewalt Akademie Villigst ist es, sich mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu verständigen, um möglichst mit allen Sinnen zu begreifen, zu erfahren und zu verstehen, was Sinn macht, Wert hat, als Regel taugt und deshalb für alle gelten soll und kann.

Weitere namhafte Projekte und Initiativen, die bundesweite Beachtung fanden, gehen auf das Konto von Ralf-Erik Posselt. Zu nennen sind insbesondere:
„Dem HASS keine Chance“(1991),
Projekt „Stadt X hat keinen Platz für Rassismus“ (1999), „Politik begreifen“ zur Partizipation von Jugendlichen in der Politik, Schule Ohne Rassismus“, das die Auszeichnung mit der „Buber-Rosenzweig-Medaille 2001“ erhielt, und die „Aktion Noteingang“ mit über 60 Gruppen in ganz NRW.

Auch bot Posselt seit 1993 regelmäßig Studienreisen für Jugendliche in die Türkei, Marokko und Frankreich an, die Teilnehmende und hauptamtlich Mitarbeitende bis heute als „legendär“ bezeichnen.

Die Evangelische Jugend von Westfalen verabschiedete sich mit Dank und Wertschätzung für seine geleistete Arbeit von Ralf-Erik Posselt.

 

Weitere Eindrücke

Pressebilder zum Download

Bildunterschrift:
Eine Ära geht zu Ende - Landesjugendpfarrer Udo Bußmann (l.)und der Geschäftsführer des Amtes für Jugendarbeit Bernd Hillebrand (r.) verabschieden sich von Ralf-Erik Posselt. Viele gemeinsame Projekte haben sie erfolgreich zusammen bestritten.

 

Bildunterschift:
Ralf-Erik ist der Hammer - Ralf-Erik Posselt hält mit Tochter Maj-Leena Posselt den Goldenen Hammer in der Hand; Symbol des gleichnamigen Preises des Landesjugendringes NRW. Posselt war der Initiator des Preises.