Fachtag Spiritualität 2013

Gewusst wie! Mit Jugendlichen über Glauben ins Gespräch kommen

Fachtag vermittelte Hintergründe und Wege, mit jungen Menschen über Glauben zu reden und Spiritualität zu erleben

Schwerte. Wenn man Jugendliche danach fragt, was oder woran sie glauben, ist es gar nicht so einfach, eine Antwort zu bekommen. Zum Fachtag „Spiritualität von Jugendlichen“ am Donnerstag den 13.06. in Haus Villigst hatte das Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen eingeladen, um genau dort anzuknüpfen. Anlass war das neu erschienene Praxisbuch „Wenn Jugendliche über Glauben reden“. Ziel des Buches sowie des Tages war es, Chancen und Herausforderungen darzustellen, wie es gelingen kann das, Thema Spiritualität und des persönlichen Glaubens in evangelischer Jugendarbeit besser zu thematisieren und gemeinsam Erfahrungsräume zu gestalten.

Die Welt im Wandeln
Dr. Tobias Faix, Leiter des Forschungsinstitutes für Jugendkultur und Religion „empirica“, erläuterte in seinem Vortrag den 60 Anwesenden die Hintergründe, warum neue Ansätze in der kirchlichen Jugendarbeit überhaupt von Nöten sind. Das Leben in einer postmodernen und globalisierten Welt bringe massive Umbrüche mit sich: „Das Lebensgefühl von Jugendlichen ist, dass sie in einer Welt leben, in der alles möglich ist, aber nichts gewiss“, so Faix. Studien wiesen deutlich darauf hin, dass dadurch, dass Arbeit, Familie und Freizeit im Wandel sind, auch Jugendliche und deren Art zu glauben starken Veränderungen unterworfen sind. „Die Antworten der Kirche von früher passen nicht mehr zu den Fragen und Problemen der Jugendlichen von heute“, führte der Wissenschaftler aus.

Das Setting muss stimmen
Das hieße aber nicht, dass Jugendliche nicht offen sind für kirchliche Inhalte. Genau das Gegenteil sei der Fall, erläuterte Faix. Jugendliche seien sogar überwiegend spirituell suchend. Allerdings sei Glaube aus Sicht junger Menschen sehr privat und man spreche eigentlich nicht darüber. Um dennoch Spiritualität zu thematisieren brauche es vermehrt geschützte Räume, die durch persönliche Beziehung und Vertrauen geprägt seien.

Der richtige Ansatz
Resümierend fasste Faix fünf zentrale Ausgangspunkte, die sich aus den Forschungen für gelingende christliche Jugendarbeit ergeben, zusammen. Hohe Bedeutung für Jugendliche habe nach wie vor Gemeinschaft. Dies stelle einen zentralen Wert aus Sicht der jungen Leute dar. Auch das Gebet sei nicht aus der Mode gekommen, sondern erfülle hingegen sogar die Suche nach transzendentalen Erfahrungen. Hier stelle jedoch das „Wie“ eine neue Herausforderung. Neben den geschützten Räumen spiele die eigene Sprachfähigkeit sowohl der Jugendlichen als auch der kirchlichen Mitarbeiter eine wichtige Rolle. Beide täten sich schwer, Glauben in Worte zu fassen. Als letzten Punkt legte der Forscher den Anwesenden ans Herz: „Nehmen Sie den Glauben der Jugendlichen ernst!“. Hier räumte er allerdings ein, dass dies leichter gesagt als getan ist, denn dahinter verberge sich auch der Wunsch junger Menschen nach aktiver Mitbestimmung. Auch wenn sie nicht viel darüber redeten, so hätten sie in der Regel doch ihre Zugänge zum Glauben und wollen diesem auch in ihrer Form Ausdruck verleihen. Von Jugendlichen selbst gestaltete Gottesdienste, Konfi-Camps, Formen von Jugendkirche und mehr moderne Musik in Gottesdiensten sind schon Ausdruck dieser Richtung.

Von der Theorie zur Praxis
„Das alles bedeutet nicht, dass es nicht bereits hervorragende Angebote, die Jugendliche auch heute erreichen, gibt“, so Silke Gütlich, Referentin für Grundsatzfragen im Amt für Jugendarbeit der EKvW. „Unser Anliegen ist es, den Austausch zu fördern und gemeinsam als Evangelische Jugend von Westfalen tragende Konzepte und Methoden für die Zukunft zu finden.“ So erhielten die Besucher des Fachtags, über die wissenschaftlichen Grundlagen hinaus, in Workshops Praxisimpulse. Mitarbeitende aus der Jugendarbeit Westfalens  vermittelten dort gelungene Ansätze aus ihrer Arbeit vor Ort zu den Themen Musik, Erlebnispädagogik, Konfi-Camps, Offene Türen, Ferienfreizeiten und interreligiöser Dialog und kamen mit den Gästen des Tages über ihre eigenen Erfahrungen ins Gespräch.

„Ein wichtiger Tag“, fasste Udo Bußmann, Landesjugendpfarrer der EKvW und Leiter des Amtes für Jugendarbeit den Tag zusammen. „Wir haben noch mal deutlich gehört, dass etliches neu gedacht werden muss. Wir hoffen, dass uns die kirchlichen Strukturen das geben, was wir brauchen, um unsere Arbeit zu tun: Sich mit Kindern und Jugendlichen auf den Weg ihres eigenen

Das Praxisbuch „Wenn Jugendliche über Glauben reden“ ist in Kooperation des Amtes für Jugendarbeit der EKvW und dem Forschungsinstitut für Jugendkultur und Religion „empirica“ entstanden. In ihm sind die Ergebnisse der vorangegangenen Studie mit gleichnamigem Titel praxisorientiert aufgearbeitet. Das Buch ist im Neukirchner Verlag erschienen und über den Buchhandel zu beziehen.

14.06.2013
Anja Lukas-Larsen

Exemplarisch aus den Workshops

Ferienfreizeiten
Freizeiten bieten ein gutes Setting, um das Thema Spiritualität umzusetzen. Gemeinschaft leben ist ein zentraler Punkt evangelischer Freizeiten. Zudem bieten sie das, was sonst oft fehlt: Zeit. Der gemeinsame Tagesablauf gibt darüber hinaus die Möglichkeit wertvolle spirituelle Rituale einzubauen und zu erleben. Das Ganze in einem feeling mit Urlaubscharakter...
Anja Hillebrand und Uschi Massow aus Siegen stellten als Gesprächsgrundlage ihr Freizeitkonzept vor.


Erlebnispädagogik
Die Methoden und Übungen der Erlebnispädagogik halten für die Teilnehmenden oft existentielle Erfahrungen bereit. Vertrauen, Nähe, aufgefangen werden und die Stärke der Gemeinschaft real zu erleben trifft an vielen Punkten die Lebenswelt Jugendlicher und eignet sich hervorragend, um an eigene Glaubenserfahrungen anzuknüpfen.
Darüber hinaus können gut Parallelen zu biblischen Geschichten gezogen werden, die dann mit der Gruppe, auf der eigenen Erfahrung basierend, aufgegriffen werden können.
André Hagemeier aus Schwelm berichtete über seine Erfahrungen und Ansätze mit Erlebnispädagogik und erprobte einiges auch praktisch mit den Teilnehmenden.

Musik
Musik spielt in der Jugendkultur eine zentrale Rolle. Und Musik ist Spiritualität. Die Frage ist, ob es uns gelingt der Musik Jugendlicher die Kirchentür zu öffnen. Wie offen sind wir für andere Musikrichtungen, die uns selbst vielleicht fremd sind? Wie gehen wir mit Liedgut um, dass uns aus pädagogischer Sicht unter Umständen fragwürdig erscheint? Wie gelingt es uns junge Menschen zu ermutigen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die Jugendliche zu musikalischen Akteuren in Gottesdiensten werden lassen?
Friedrich Kasten von der Jugendkirche Soest stellte das Projekt Worship-Akademie vor.

Eindrücke des Tages

 

Ansprechpartnerin im Amt für Jugendarbeit der EKvW

Silke Gütlich
Tel. 02304-755-282
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Elke Beck
Tel. 02304 - 755 - 184
Fax 0 23 04 - 755 -248
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