Fachtag Inklusion 2009

Fachtag Inkusion 2009

Kinder- und Jugendarbeit für alle! Menschen mit Behinderung mitgedacht!

Ein bundesweiter Fachtag des Forums inklusiver ev. Jugendarbeit zum Thema Inklusion beschäftigte sich mit theoretischen und praktischen Ansätzen für die evangelische Jugendarbeit. Zu Gast war Prof. Dr. Heinrich Greving von der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen.

Nordwalde. Inklusion? Was hat man darunter eigentlich genau zu verstehen? Und was kann das für die praktische Jugendarbeit bedeuten? Über 20 Fachleute aus dem gesamten Bundesgebiet hatten sich am vergangenen Mittwoch in der Evangelischen Jugendbildungsstätte Nordwalde zusammen gefunden, um dieser Frage nachzugehen. Eingeladen dazu hatte das Forum inklusiver ev. Jugendarbeit, eine bundesweite Fachgruppe, die nun seit 10 Jahren den fachlichen Austausch, Möglichkeiten der Zusammenarbeit und die Weiterentwicklung des Themas Menschen mit Behinderung in der Ev. Jugendarbeit vorantreibt.
Die wissenschaftliche Beleuchtung des Begriffs „Inklusion" übernahm Prof. Dr. Heinrich Greving von der Katholischen Fachschule Nordrhein-Westfalen in seinem Einstiegsvortrag. Deutlich wurde dabei allen Zuhörenden, dass es sich dabei keinesfalls um einen einfachen oder klar umrissenen Begriff handelt. Begriffe wie Normalisierung, Empowerment und Integration haben seit den sechziger Jahren die Arbeit mit Menschen mit Behinderung und deren Ziele zu erfassen versucht. Mittlerweile wird der Begriff Inklusion im Sozial- und Gesundheitswesen benutzt, um eine Veränderung in der Wahrnehmung und Begleitung von Menschen mit Behinderung anzuzeigen. Je nach wissenschaftlichem Ansatz, so erfuhren die Teilnehmenden von Prof. Dr. Greving, seien damit allerdings unterschiedliche Ansätze verbunden.
So viel wurde klar: Inklusion meint mehr als Integration und stellt die Gesellschaft vor eine große Herausforderung, da diese, wenn sie ernst betrieben wird, weitreichende gesellschafts- und bildungspolitische Konsequenzen nach sich ziehen würde.
Im Gegensatz dazu ständen allerdings Entwicklungen wie die Abnahme von Integrationsmaßnahmen bei zunehmender Zahl von Kindern mit Behinderung in den letzten Jahren.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass, trotz aller Unschärfe des Begriffs Inklusion, es nach wie vor darum gehe, „Anderssein" als Normalität zu begreifen. Dies sei in alles Planen und Handeln einzubeziehen mit dem Ziel, allen Menschen Teilhabe zu ermöglichen - und das eben als Normalität. „Das alles", so Greving, „geht nur über die Begegnung", und so ermutigte er die Teilnehmenden weiterhin, Projekte und Aktionen zu gestalten, bei denen Menschen mit Behinderung auch mit Gemeinden in Kontakt kommen und schließlich als Selbstverständlichkeit im Gemeindeleben erfahren werden.
Die Notwendigkeit dessen beschreibt die Erfahrung einer Teilnehmerin, die berichtete „Die Gemeinde sagt: wir sind ja offen, es kann jeder kommen! Stattdessen wäre es angebracht, Menschen mit Behinderung an die Hand zu nehmen und aktiv einzuladen."

Im zweiten Teil des Fachtages wurde sich dann ganz praktischen Dingen zugewandt. In unterschiedlichen Arbeitsgruppen erhielten die Teilnehmenden Anregungen für die Praxis. So wurde auch der EuroContact vorgestellt. Es ist ein seit über 30 Jahren existierendes internationales Austauschseminar, das jedes Jahr mit ca. 80 bis 100 Menschen in der Evangelischen Jugendbildungsstätte Nordwalde stattfindet. Junge Menschen mit und ohne Behinderung haben dort die Möglichkeit, jungen Menschen aus Ländern wie Luxemburg, Polen, Frankreich, Russland und der Ukraine zu begegnen.
In einem anderen Workshop wurde sich zu der Frage ausgetauscht, wie junge Menschen mit Behinderung einen leichteren Zugang zur evangelischen Jugendarbeit finden können. Vorgestellt wurden dazu 11 Thesen, die die Evangelische Jugend im Rheinland auf ihrer Delegiertenkonferenz im Herbst 2008 verabschiedet hat. Die Sorge, dass Angebote bei Öffnung für junge Menschen mit Behinderung von diesen quasi überrannt würden, so Eva Beeres-Fischer, Bildungsreferentin im Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen, sei aus Erfahrung unbegründet. Ein Schritt, Veranstaltungen zu öffnen, könne schon darin bestehen, bei Anmeldungen abzufragen, ob ein Rollstuhl gerechtes Zimmer oder andere Hilfe benötigt wird. Natürlich sei im Einzelfall dann erforderlich, entsprechende Schritte einzuleiten, damit alle Beteiligten angemessen berücksichtigt werden. Dazu ständen aber immer Ansprechpartner zur Verfügung, nicht zuletzt die Mitglieder des Forums inklusiver ev. Jugendarbeit.
Die aktive Einbeziehung junger Menschen mit Behinderung in die Jugendarbeit sei ein bewusster Schritt, bei dem man sich aber stets sicher sein dürfte, dass die Arbeit mit jungen Menschen mit Behinderung ein Erfahrungsfeld mit vielen wertvollen Lernprozessen ist.
Eine Sammlung von Beispielen aus der inklusiven Praxis hat das Forum inklusiver ev. Jugendarbeit bereits in einer Arbeitshilfe veröffentlicht (www.forum-inklusiv.de)

 

26.03.2009
Anja Lukas-LarsenL.L.

Fachgruppe Forum inklusiver ev. Jugendarbeit (v.l.n.r.)
Hansjörg Kopp (Amt für Jugendarbeit der Ev. Kirche Baden)
Klaus-Peter Naumann (Amt für Jugendarbeit der Ev. Kirche Bremen)
Erika Zipf-Bender (Amt für Jugendarbeit der Ev. Kirche im Rheinland)
Peter Popp (Landesjugendpfarramt Sachsen)
Klaus Hartmuth (Landesjugendpfarramt der Ev. Kirche der Pfalz)
Wolfgang Noack (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz)
Hans-Jürgen Hinnecke (Ev. Jugend Stuttgart)
und Prof. Dr. Greving

Ansprechpartnerin im Amt für Jugendarbeit der EKvW

Eva Beeres-Fischer
Ev. Jugendbildungsstätte
Bispingallee 15
48356 Nordwalde
Tel: 0 25 73-93 63 - 15
Fax: 0 25 73-93 63 - 25
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Monika Kahl
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