Zertifizierung 2019

14 neue Traumapädagoginnen und Traumapädagogen zertifiziert

Foto (Quelle: AfJ)
Die Arbeit hat sich gelohnt! Kompetente Unterstützung für Kinder und Jugendliche mit nachhaltigen Belastungssituationen – das sind sie jetzt, die neu qualifizierten Trauma Expertinnen und –Experten. Hier mit ihrer Kursleiterin Sabine Haupt-Scherer (vorne, Mitte).

Am 23.5.2019 hat Landesjugendpfarrer Udo Bußmann in Haus Villigst (Schwerte) zum 4. Mal 14 neu ausgebildete Traumapädagoginnen und –pädagogen zertifiziert. Hauptamtliche Jugendmitarbeitende, Lehrerinnen und Lehrer, Mitarbeitende aus Heimerziehung, Förderstellen und Kliniken haben sich in 5 Modulen 14 Tage lang mit der Frage auseinandergesetzt, welche Folgen überfordernde Belastungserfahrungen, Schockerlebnisse und belastende Aufwachsbedingungen, Gewalt und Vernachlässigung für Kinder und Jugendliche haben, und wie man sie unterstützen kann, wieder Zufriedenheit und Kontrolle in ihrem Leben zu finden.

Vermittelt wurde beispielsweise, dass über Stresshormone von traumatischen Erfahrungen tatsächlich die Struktur im Gehirn verändert wird, was gravierende Folgen für das Denken, Fühlen und Verhalten von Kindern und Jugendlichen haben kann. Sie fallen immer wieder in alte Gefühle zurück, können Aggressionen nicht gut steuern und haben später ein erhöhtes Risiko für Sucht- und Herzerkrankungen. Auch das Risiko, all das an die eigenen Kinder weiterzugeben ist groß.

„Inzwischen weiß man aber auch, dass schon wenig Unterstützung diese fatale Entwicklung umkehren kann. Manchmal reicht schon eine aufmerksame Lehrerin, die das Kind versteht und traumasensibel begleitet, ein Jugendmitarbeiter, der dem Jugendlichen Gehör schenkt und ihm hilft, seine Gefühle zu verstehen und zu regulieren oder Hilfsangebote für Eltern und Familien.“, formulierte Ausbilderin Sabine Haupt-Scherer, Pfarrerin im Amt für Jugendarbeit. „So müssen sich Geschichten nicht wiederholen, und es können neue Geschichten geschrieben werden.“

Die nun zertifizierten Traumapädagoginnen und Traumapädagogen haben gelernt, traumasensibel auf auffälliges Verhalten zu schauen und unterstützend zu handeln. Sie können damit im Leben von traumatisierten Kindern und Jugendlichen den entscheidenden Unterschied machen und sowohl schlimme Folgen mindern als auch die Weitergabe an die nächste Generation verhindern helfen. „Traumapädagogik ist ein Beitrag für eine bessere Gegenwart und eine friedlichere Zukunft“, so Haupt-Scherer. Oder, wie es Volker Kohlschmidt, Referent der Gewalt Akademie Villigst, in seiner Ansprache sagte: Traumapädagogik hilft die Würde des Menschen wiederherzustellen, die im Trauma beschädigt wurde.

Für die Teilnehmenden geht mit der Zertifizierung ein anstrengendes und spannendes Dreivierteljahr zu Ende. Neben schweren Themen und der Trauer über die Not vieler Kinder wurden immer wieder auch Themen aus der eigenen Lebensgeschichte berührt. Am Ende standen schriftliche Hausarbeiten und Gruppenpräsentationen. Dabei sind viele gute Materialien entstanden, mit denen alle weiterarbeiten können: Schulungskonzepte, Schatzkisten und Notfallkoffer für psychische Krisen von Kindern und Jugendlichen und ein Bilderbuch für traumatisierte Kinder.

Die Teilnehmenden gehen mit vielen neuen Erkenntnissen gestärkt in ihre Arbeitsfelder zurück. „Schon der Einführungstag Traumapädagogik war für mich ein Augenöffnertag“, sagte eine Teilnehmerin, „an dem mir klar geworden ist, wie oft ich es schon mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen zu tun hatte!“. Eine andere Teilnehmerin berichtete: “Ich kann jetzt Kinder verstehen, die mich früher nur irritiert und geärgert haben. Hier habe ich gelernt: Die Kinder haben einen guten Grund für ihr schwieriges Verhalten, und der liegt in ihrer Vergangenheit. Das macht das alles nicht schön, aber es lässt mich gelassener bleiben und neue Lösungen finden.“

Die frisch gebackenen Traumapädagoginnen und Traumapädagogen arbeiten jetzt wieder beim CVJM, in der gemeindlichen Jugendarbeit, in Schulen, Kinderheimen, in Kliniken und Beratungsstellen, als Deeskalationstrainer und Pflegeeltern. Sie alle tragen nun aktiv dazu bei, traumatisierte Kinder zu stärken und ihnen Mut für ihre Zukunft zu machen.

Der nächste Fortbildungskurs Traumapädagogik im Amt für Jugendarbeit in Kooperation mit der Gewalt Akademie Villigst startet im Oktober 2019, ist aber bereits ausgebucht. Sobald der Termin für 2020 vorliegt, gibt es eine Mitteilung auf unserer Homepage. 

Ansprechpartner im Amt für Jugendarbeit der EKvW

Sabine Haupt-Scherer
Ehlentruper Weg 70
33604 Bielefeld
Tel.: 0521-2703636
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Gudrun Kirchhoff
Tel. 02304-755-190
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Fax. 02304-755-248