Abendessen mit den Jugendelegierten

Abendessen mit den Delegierten der Jugend

Es ist Donnerstag Abend, der Großteil der Synode ist schon vorbei. Ich bin zum Essen verabredet mit den Delegierten der Jugend Benjamin Euen, Caroline Peters, Judith Sandmann und Christiane Bartelworth.

Die Synode hat bei den Vieren schon deutliche Zeichen hinterlassen. Sehr hungrig und auch müde sitzen mir die Delegierten nun in der Neuen Schmiede in Bethel gegenüber. Vielleicht müde, aber immer noch gedanklich stark beschäftigt mit den Themen, mit denen sich die jungen Leute in den letzten Tagen auseinandergesetzt haben.

Es sind Themen wie Flucht und Migration, zu dem Caro sogar einen Redebeitrag beigesteuert hat, in dem gefordert wird, Flüchtlingskinder mehr Teilhabe an Bildung zu ermöglichen. Als kleinen Erfolg sieht Caro dabei, dass dieser Redebeitrag auch tatsächlich aufgenommen wurde.

Am Donnerstag Abend hat die Synode einen dementsprechenden Beschluss verabschiet, in dem die Synode die Kirchengemeinden und Kirchenkreise bittet, sich dafür einzusetzen, dass entsprechende Anträge zum Bildungspaket vor Ort gestellt und positiv beschieden werden. (Zum Bericht zu Flüchtlingen auf der Landessynode).

Auf meine Frage, womit sich die Synode denn noch inhaltlich beschäftigt hat antworten die  Vier sehr rege, dass es auch noch um Fragen des Arbeitsmarktes ging, Klima oder auch die deutsche Kriegsindustrie.

Schnell entsteht eine Diskussion darüber, wie welche Themen von wem eingeschätzt werden.

Es wird deutlich, dass die Synode an sich vielleicht ein einfacher, wenn auch anstrengender Tagungsbetrieb ist, aber die verhandelten Themen häufig eine hohe Brisanz haben. Was hat es für Folgen, wenn man bei dieser oder jener Sache Entscheidungen trifft? Meist sind die Zusammenhänge so vielschichtig und schwer zu durchschauen. Neben den theologisch-ethisch-moralischen Aspekten heißt es schließlich auch die Rahmenbedingungen im Blick zu behalten. Man spricht sich z.B. deutlich gegen Atom- oder Kriegsindustrie in Deutschland aus, aber was bedeutet dies dann in der Konsequenz für den Arbeitsmarkt und die weitere wirtschaftliche Entwicklung? Alles keine einfachen Fragen.

Einig scheinen sich die Vier aber mit den Synodalen beim Thema Fracking zu sein. Fracking bezeichnet man eine Methode der Gasgewinnung aus den USA. Dabei werden allerdings Substanzen verwendet, die das Grundwasser irreparabel schädigen. Frankreich und die Niederlande haben sich bislang gegen diese Methode entschieden, bis die Auswirkungen tatsächlich geklärt sind. Die Anwesenden sind sich einig, dass das Fracking ein gutes Beispiel dafür ist, dass es sinnvoll und notwendig ist, dass die Landessynode zu bestimmten Themen Fachexperten einlädt, die Themen mit großem Hintergrundwissen und Fachkompetenz darlegen, wie es zum Fracking der Fall war.

Benjamin ärgern die scheinbaren politischen Gegensätze im Umgang mit bestimmten Verfahren. „Beispielsweise wird der Einsatz von Teer für den Straßenbau ewig und drei Tage getestet und Fracking wird scheinbar fraglos eingesetzt“. Auch Judith hat den Eindruck: „Das ist überhaupt nicht weitsichtig und Langzeitschäden sind überhaupt noch nicht geklärt“.

Ich frage nach: „Was hat es denn nun für Folgen, dass sich die Synode mit diesem Thema auseinandersetzt - passiert da jetzt auch was?“ Mir wird erläutert, dass die Beschlussvorlage vorsieht, dass die Bundesregierung ein Schreiben erhält, was ungefähr so lautet: „Die Synode fordert die Bundesregierung auf“ ... - je nach dem, wie der Beschluss dann tatsächlich getroffen wird.

Damit ist tatsächlich gesichert, dass die Diskussionen der Delegierten der Landessynode auch über die Grenzen des Tagungsbetriebes hinaus gehen und wenigstens die Möglichkeit bekommen gesellschaftlich beachtet zu werden. Es geht also eben nicht nur ums Reden und Diskutieren - Ev. Kirche bezieht hier Stellung und will aktiv Gesellschaft mit gestalten. (Bericht zum Beschluss zu Fracking der Landessynode)

Ein weiteres Thema, an dem praktische Auswirkungen ganz deutlich werden, ist die Taufe. Die Synode hatte für 2011 das Jahr der Taufe ins Leben gerufen. Man konnte es verfolgen - etliches hat zu diesem Thema stattgefunden, worüber auf der Synode berichtet wurde. Benjamin hat dabei besonders ein Tauffest in Hagen beeindruckt, bei dem 120 Leute getauft wurden. Bemerkenswert findet er dabei, dass darunter viele Menschen waren, die sich ohne solch ein Tauf-Event erst gar nicht hätten taufen lassen, und dass Kirche so Personengruppen erreicht, die sonst nicht von Kirche angesprochen werden würden. (Bericht zur Taufe auf der Landessynode).

Schnell entsteht wieder eine lebhafte Diskussion. Man ist sich einig: Die Frage ist doch immer wieder, wie Kirche sich verändern muss, damit auch andere Zielgruppen erreicht werden. „Kirche muss sich einfach überlegen sich weiter zu entwickeln - sonst wird das nichts mehr!“, meint Christiane dazu.

Aber selbst hier wird auch wieder schnell deutlich, dass das „Und wie erreicht man das?“ nicht so ganz einfach ist, denn auch darin sind sich die jungen Leute einig „ Kirche soll doch etwas sein, was sich nicht ständig ändert, sondern etwas, worauf ich bauen kann. Aber dennoch soll es kein starres Gebilde sein“. Neue Zielgruppen erreichen - ja, das ist gewollt. Aber auch die „alten Zielgruppen“ sollen durch Neuerungen nicht „vertrieben“ werden.

Man kann es drehen und wenden wie man will, es gibt viel zu diskutieren und es gilt wohl überlegte Entscheidungen zu treffen, um die Wege der Kirche für die Zukunft zu bestimmen.

Es ist gut, richtig und wichtig, dass gerade die aktiven, jungen Menschen in dieser Kirche an diesen Fragen mitdenken und sich einbringen. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an die Delegierten der Jugend, die nun bereits im vierten Jahr in dieser Zusammensetzung den Blickwinkel der Jugend in die Diskussionen und Beratungen der Landessynode eingebracht haben.

Wenn die Vier nicht gerade mit großem Engagement ihren Beitrag auf der Synode leisten um Kirche konstruktiv mit zu gestalten, verbringen sie ihr „normales Leben“ übrigens gerade damit:

Christiane schreibt gerade ihre Bachelorarbeit im Bereich Soziale Arbeit,

Judith ist mittlerweile Hauptamtliche in der Jugendarbeit im Kirchenkreis Hagen (und wird aus diesem Grund auch das letzte mal als Jugendvertreterin an einer Synode teilgenommen haben),

Benjamin arbeitet nach seinem Abschluss des Studiengangs Sonderpädagogik noch eine Weile am Institut für Schulentwicklungsforschung bevor er ins Referendariat gehen will,

und Caro steckt mitten im Masterstudiengang Kulturwissenschaften.

 

Anja Lukas-Larsen