Zertifizierung 2021

13 neue Traumapädagoginnen und Traumapädagogen zertifiziert

Amt für Jugendarbeit und Gewaltakademie Villigst zertifizieren 12 neue Traumapädagoginnen und einen Traumapädagogen

„Es wird euch brauchen, mit und nach Corona!“ – Mit diesem Satz hat Sabine Haupt-Scherer, Referentin im Amt für Jugendarbeit der EKvW am 10. Juni 13 Traumapädagog*innen nach einer 14tägigen Weiterbildung zertifiziert. Kerngeschäft der Traumapädagogik ist die Stabilisierung von Menschen nach seelischen Verletzungen, überfordernden Belastungserfahrungen, die wir Traumata nennen. 

Viele Auffälligkeiten, die in Corona-Zeiten bei Kindern und Jugendlichen beobachtet werden, lassen sich in das Spektrum einer Traumafolgestörung einordnen: Angstzustände und Zwangsstörungen, erhöhe Trennungsempfindlichkeit, depressive und aggressive Zustände, Hoffnungslosigkeit bis hin zu Suizidalität, Antriebslosigkeit, gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus und eine erhöhte Anfälligkeit für Suchterkrankungen.

Das können Folgen seelischer Erschütterungen sein, die wir Trauma nennen. Wir sind in Mark und Bein erschüttert, es hat uns aus der Bahn geworfen und den Boden unter den Füßen weggezogen, hat uns umgehauen, so dass in unserem Leben kein Stein mehr auf dem anderen steht.

Solche Erfahrungen haben viele Kinder und Jugendliche in Corona-Zeiten gemacht: von einem Tag auf den anderen vieler stabilisierenden Strukturen, Rhythmen und Beziehungen  beraubt, in Angst um sich, um das Leben der Angehörigen und Freunde, oft auch um die wirtschaftliche Existenz. Kinder erleben Eltern, die gestresst und verzweifelt sind, Erwachsene, die nicht wissen, wie es weitergeht, Regeln die unverständlich und widersprüchlich bleiben.

Traumapädagogik fragt danach, wie man nach einer solchen Erschütterung wieder Boden unter die Füße bekommen kann. Traumapädagogik will stabilisieren helfen in und nach großen Belastungen. Sie stabilisiert auf drei Ebenen: auf psychischer Ebene durch Verstehen dessen, was da in einem vorgeht, auf der Gefühlsebene durch das Erleben von Wertschätzung, Zugehörigkeit und Verbundenheit (auch da, wo körperliche Nähe gerade nicht geht), auf körperlicher Ebene durch Bewegung und Stressregulation.

Darin sind 13 neue Traumapädagog*innen jetzt geschult. Sie arbeiten mit ihren neu gewonnenen Kompetenzen u.a. in Jugendzentren, Kindergruppen, Schulen, Kinderheimen und in der Telefonseelsorge. Als Prüfungsarbeiten haben sie Materialien erarbeitet, die auch anderen helfen können: Filme,  Kinderbücher, die z.T. demnächst auf der Seite des Amtes für Jugendarbeit zugänglich gemacht werden.

Eine dieser Arbeiten ist das Kinderbuch von der Heuleule Huberta, erstellt von Jule Frielingsdorf, Jana Polljost und Patricia Overfeld.  Es erzählt die Geschichte einer kleinen Eule, die in der Eulenschule bei ihrem ersten Flugunterricht eine Panikattacke und einen Weinkrampf bekommt und gar nicht weiß, was los ist. Sie versteht sich selbst nicht mehr. Frau Rabe, ihre Pflegemutter, erklärt ihr dann, dass sie als ganz kleine Eule aus dem Nest gestoßen wurde. Glücklicherweise hatte Frau Rabe sie gefunden und aufgezogen. Jetzt hat sich Huberta beim Flugunterricht dahin zurückversetzt gefühlt. Frau Rabe hat hilfreiche Tipps, um Panik und Stress zu reduzieren und gemeinsam mit der Lehrerin schaffen sie es, dass Huberta doch noch fliegen lernt.

Das Amt für Jugendarbeit der EKvW bietet mit der Gewaltakademie Villigst jährlich die Weiterbildung in Traumapädagogik unter der Leitung von Sabine Haupt-Scherer an. Der Kurs, der in diesem Herbst beginnt, ist allerdings schon ausgebucht. Darüber hinaus findet man auf der Internetseite des Amtes für Jugendarbeit (www.juenger-westfalen.de) als kostenlosen Service für Fachkräfte Materialien, um Menschen mit seelischen Belastungen besser zu verstehen und mit ihnen zu arbeiten. Demnächst sollen hier auch Bilderbücher wie Huberta, die Heuleule zur Verfügung gestellt werden.

Sabine Haupt-Scherer

Ansprechpartner im Amt für Jugendarbeit der EKvW

Sabine Haupt-Scherer
Ehlentruper Weg 70
33604 Bielefeld
Tel.: 0521-2703636
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Gudrun Kirchhoff
Tel. 02304-755-190
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Fax. 02304-755-248