EJKW - 2010

EJKW - Evangelische Jugendkonferenz von Westfalen 2010

Vom 01.-03.10.2010 fand die EJKW unter dem Motto "Chancen den Chancenlosen" in der Ev. Jugendbildungsstätte Hagen Berchum statt.

 

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Jan Globacev, Jugendpresbyter aus dem Kirchenkreis Paderborn, war Delegierter auf der EJKW 2010 und schildert in seinem Bericht persönliche Eindrücke und Erlebnisse von der dreitägigen Tagung:

 

 

 


Freitagnachmittag:

Endlich! Nach rund zweieinhalb Stunden Autofahrt und vielen Staus auf den Autobahnen bin ich in Berchum bei Hagen an der Jugendbildungsstätte angekommen. Ich gehörte zu den ersten, die angekommen waren. Viele andere Teilnehmer, so stellte es sich im Nachhinein heraus, mussten länger im Stau stehen als ich. Was danach kam, ist mittlerweile Routine: als erstes sehe ich Anja Lukas-Larsen vom Amt für Jugendarbeit die -wie immer- erstmal ein Foto von jedem machen möchte. Und auch alles danach war wie in jedem Jahr: Sitzplatz sichern, Kaffee trinken und „alte Bekannte" treffen. Schnell war ich wieder in Gespräche mit anderen Delegierten und Teilnehmern verwickelt.

Um kurz nach 17 Uhr eröffnete Erich Reinke die Jugendkonferenz. Nach einigen organisatorischen Punkten begrüßte uns auch die Superintendentin des Kirchenkreises Iserlohn, Martina Espelöer, und hielt eine kurze Andacht.

Danach folgten die Berichte u. a. vom Amt für Jugendarbeit oder vom EJKW-Vorstand.

Um die darauf folgenden Berichte aus den Kirchenkreis etwas lebendiger zu gestalten, hat sich der Vorbereitungskreis diesmal etwas Besonderes einfallen lassen. „Eine Reise durch die Kirchenkreis" stand nun auf dem Programm. In bewährter Eine-Reise-Nach-Jerusalem-Manier starteten rund 25 Ehren- und Hauptamtliche die Jagd auf die Sitzplätze in der Mitte des Raumes. Wer keinen Platz bekam, musste sich den Fragen von Tatjana Attermeyer und Andreas Czubaj stellen und unter anderem über vergangene Projekte und Besonderheiten berichten. Diese Aktion hat sich auf jeden Fall bewährt!


Samstag Morgen:

Ich muss zugeben, dass Spiel „Kotzendes Känguru" war mir bis zum Samstag Morgen nicht bekannt. Mit diesem Spiel fing unser Tag am frühen morgen an. Daniel Klinkmann und sein Team hatten dieses Spiel als „Übungen zum Aufwachen" rausgesucht und uns kurzerhand draußen in einem großen Kreis versammelt. Schnell konnte man Begriffe wie „Toaster, Mixer oder Döner" hören...

Nach einer kurzen Andacht ging es sofort im Thema weiter. Landesjugendpfarrer Udo Bußmann hielt den Vortrag „Warum brauchen wir armutssensible Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?". Dabei stand nicht die seelische oder geistige Armut, sondern die materielle Armut im Mittelpunkt. „Ohne Moos nichts los", sagte er. Jeder Mensch solle gerecht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können und wir als Kirche müssten unseren Beitrag dazu leisten. Denn kein Geld zu haben, bedeutet automatisch einen Ausschluss. Engagement aus unserem Glauben heraus sei besonders wichtig; deshalb müsse sich auch die Ev. Jugend aktiv für Arme und benachteiligte Kinder und Jugendliche einsetzen.

Nach dem Vortrag fand der „Markt der Möglichkeiten" statt. Dabei wurden verschiedene Workshops angeboten bzw. Projekte vorgestellt. Ich besuchte als erstes das Stadtteilprojekt „Kunterbuntes Chamäleon" aus Marl. Anschließend habe ich mir den Vortrag zur Kindertafel Hohenlimburg angehört, der ebenfalls sehr interessant wie auch erschreckend war. Das es so viele Kinder gibt, die beim Mittagessen in der Schule bereits ausgegrenzt werden weil ihre Eltern ihnen kein Geld für ein warmes Mittagessen mitgeben oder mitgeben können, gibt, hätte ich nicht gedacht.

Nach den Workshops hatten wir die Gelegenheit, unsere Ergebnisse, Eindrücke und Erlebnisse in sogenannten Murmelgruppen mit einigen anderen Teilnehmern auszuwerten und zu diskutieren.

Am Nachmittag fanden weitere Workshops stand. Mein erster Workshop stand unter dem Motto „Armutssensible Konfirmandenarbeit" und wurde von Udo Bußmann geleitet. Dabei diskutierten wir eigene Erfahrungen aus unseren Gemeinden und Möglichkeiten der Konfirmandenarbeit und der möglichen Kostenübernahme von Konficamps oder Unterrichtsmaterialien. Dabei wurde deutlich, dass alle Gemeinden bereits Modelle und Lösungen gefunden haben, mit dem Thema umzugehen.

Den zweiten Workshop leitete Erich Reinke. „Wie organisiere ich eine Freizeit für alle?" war sein Thema. „Freizeiten, bei denen Behinderte und nicht Behinderte Jugendliche mitfahren können, sind wichtig", eröffnete Erich den gut besuchten Workshop. Er berichtete von seinen zahlreichen Erfahrungen mit solchen Freizeiten und was besonders wichtig bei der Planung ist. Auch aus diesem Workshop konnte ich eine Menge Informationen und Denkanstöße für die Arbeit vor Ort mitnehmen.

Am frühen Abend stellte Anja Lukas-Larsen die neue Imagekampagne der Ev. Jugend von Westfalen vor und wie diese umgesetzt werden soll. Ziel sei es, dass die Ev. Jugend ein einheitliches Erscheinungsbild bekommt. Unter dem Begriff „juenger" sollen wir demnächst als Jugendverband überall erkannt werden.

Abends gab es dann noch so etwas wie eine Premiere. Es fand zum ersten Mal ein „Säulentreffen" statt. Ehren- und Hauptamtliche haben sich in verschiedene Räume zurückgezogen und die jeweils für sie wichtigen Themen diskutiert und ausgewertet. Wir Ehrenamtliche haben für uns beschlossen, dass es künftig einen besseren Austausch zwischen uns geben soll. Es soll ein Netzwerk im Internet entstehen wo man schnell Informationen austauschen kann. Aber auch Treffen außerhalb der jährlichen Jugendkonferenz werden geplant um so auch einen persönlichen und direkten Austausch zu ermöglichen. Aber auch die Änderungen in der neuen Satzung, die am Sonntag verabschiedet werden soll, wurden ausführlich diskutiert und besprochen.

Der Samstagabend klang mit vielen interessanten Gesprächen und bei einem kleinen Imbiss im Foyer der Jugendbildungsstätte aus. Diesmal nicht mit „Bier und Frikadelle" sondern mit vielen anderen lecken Sachen... ;-)

Sonntag:

Der Sonntagvormittag ist immer die Zeit, wo es ums Ganze geht. Es werden nämlich Anträge an die Konferenz gestellt. In kleinen Gruppen haben wir die beiden Anträge diskutiert und teilweise anders formuliert. Anschließend wurden die Anträge (s. Pressemitteilung) von der Konferenz beschlossen. Vorher fanden auch Beratungen zur Satzungsänderung statt. Die neue Satzung der EJKW wurde ebenfalls beschlossen.

Als Thema der EJKW 2011 in Tecklenburg wurde mit großer Mehrheit „Freizeitarbeit" gewählt. Zum Abschluss einer sehr spannenden und wichtigen Konferenz fand der gemeinsame Gottesdienst mit Paul Gaffron und seinen Ehrenamtlichen statt, der anschaulich die alltäglichen Probleme der Obdachlosen und Armen zeigte.


Diese Konferenz, mittlerweile ist es meine vierte gewesen, fand ich auch dieses mal sehr gut. Viele neue Ideen aber auch Fragen habe ich mit in meinen Kirchenkreis genommen die ich vor Ort ansprechen bzw. anregen werde. Besonders spannend ist es immer wieder für mich zu sehen, was für besondere Projekte und Vorhaben innerhalb der Ev. Jugend von Westfalen stattfinden. Wir als Ev. Jugend haben uns mit dieser Konferenz einem wichtigen Thema gewidmet und -wie ich finde- auf jeden Fall die richtigen Beschlüsse gefällt, denn das Thema wird uns sicherlich auch weiterhin bei unserer täglichen Arbeit beschäftigen.

 

Zur offiziellen Pressemeldung geht es hier... .

 

 


 

Beschlüsse der EJKW 2010

 

Beschluss 1:

Powered by Heaven - Die Evangelische Jugend von Westfalen ruft auf zur Wechselwoche auf Ökostrom

Die EJKW bittet die Jugendkammer zu beschließen:

Die Evangelische Jugend von Westfalen ruft im Rahmen der Aktion „Mach mal Zukunft - Powered by Heaven" vom 11.-17. April (vor den Osterferien 2011) zu einer Ökostrom-Wechselwoche auf.

Die Evangelische Jugend beteiligt sich mit praktischen und bildenden (sensibilisierenden) Angeboten an der Aktionswoche. Während dieser Woche soll auch die Stromversorgung der Einrichtungen der Evangelischen Jugend in den Blick genommen und ein möglicher Wechsel auf Ökostrom geprüft werden. Weitere Maßnahmen zum Einsparen von CO2 können in dieser Woche vorgestellt werden.

Das Amt für Jugendarbeit der EKvW wird beauftragt, Hintergrundinformationen und Aktionsvorschläge zur Verfügung zu stellen. Es wird angeregt alle Mitglieder im zu einem zentralen Informationstag im Januar 2011 einzuladen.

Die Evangelische Jugend will mit einer Öko-Strom-Wechselwoche die Nachfrage nach regenerativen Energien erhöhen und ein Zeichen setzen. Mit der Aktion kann sich die Evangelische Jugend von Westfalen an der europaweiten Diskussion im Rahmen der EYCE-Campaigne „Promote Ecological Justice" (2011-2014) und an der Umsetzung des aej-Beschlusses „Selbstverständlich Nachhaltig" (Schritte der Evangelischen Jugend in eine zukunftsfähige Welt) vom November 2009 beteiligen. Diese Kampagne bietet sich darüber hinaus für den Kooperation mit weiteren örtlichen Gruppen an.

 

Begründung:

In der Nacht zum 25/26 April 2011 ist der 25. Jahrestag des Reaktorunglücks von Tschernobyl. Es ist mit einer hohen Resonanz in den Medien zu rechnen. Diese öffentliche Aufmerksamkeit kann für eine Beschäftigung mit dem Thema „Ökostrom" genutzt werden.
Die Evangelische Landeskirche von Westfalen hat bei der 1. Sitzung der 16. Synode 2008 ihre Klimaschutzziele bestimmt. Bei der 2. Sitzung der 16. Synode im November 2009 wurden diese Ziele erneuert: Die EKvW will ihren CO2-Ausstoß bis 2020 um 40% gegenüber dem Wert von 1990 verringern. Bis 2050 sollen auf Basis von 1990 80-95% des CO2-Ausstoßes vermieden werden. Um dieses Ziel zu erreichen empfiehlt die Synode die Nutzung der Nachhaltigkeits-Systeme „Grüner Hahn" und „Zukunft Einkaufen". Die Evangelische Jugend von Westfalen ist aufgefordert diesen Beschluss aufzunehmen und einen Beitrag zum Erreichen dieser Ziele zu leisten.

Der weltweite Klimawandel st eine der größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft. Die Effekte des Klimawandels betreffen den ganzen Planeten - Überschwemmungskatastrophen, wie solche in Pakistan hängen mit milden Wintern im Baltikum zusammen. Jüngst prognostizierte die Stiftung Münchener Rück, dass Wetterereignisse in Deutschland heftiger ausfallen werden: aus Orkanen könnten Wirbelstürme werden und Hagelkörner zu faustdicken Klumpen anwachsen. Auch wir sind also von den Folgen des Klimawandels betroffen. Wetterveränderungen verursachen vor allem in Ländern des Südens erhebliche Katastrophen. Die Ereignisse in Haiti und in Pakistan sind in erster Linie humanitäre Katastrophen. Die hohe Zahl der Toten und Verletzten, die Probleme bei der Erstversorgung und dem Wiederaufbau sind der schlechten Verfassung der Länder geschuldet: Armut, fehlende Bildung, Korruption und fehlende Infrastruktur tragen ihren Teil dazu bei, dass Naturkatastrophen ganze Nationen lähmen.

Der Klimawandel verstärkt bestehende Effekte: Gewalt und Krieg in vielen Entwicklungsländern finden ihren Ursprung im Entzug natürlicher Ressourcen und Lebensgrundlagen der einheimischen Bevölkerung. Steigender Migrationsdruck ist die Folge: Wirtschaftsflüchtlinge und Klimaflüchtlinge sind inzwischen anerkannte Kategorien der Migrationsforschung. Bereits heute werden Milliarden Euro in den „Festung Europa" investiert, um diese Menschen den Zugang in den Westen zu versperren. Auch Deutsche Unternehmen liefern Ausrüstung für Abwehranlagen an den Europäischen Außengrenzen und einige Länder des afrikanischen Kontinents erhalten hohe Überweisungen um Flüchtlinge den Weg nach Europa zu versperren. Wie viele Menschen auf der Flucht, in den Wüsten Afrikas oder als Boat-People vor Griechenland, Italien und Spanien umkommen ist unbekannt.

Ein nachhaltiger Lebensstil und das Bemühen, den Klimawandel einzudämmen kann dazu beitragen, diese Situation zu entschärfen. Das Beispiel des Fairen Handels zeigt deutlich, wie aus einer Idee eine tragende und die Gesellschaft verändernde Säule gerechten Handelns werden kann. Nach vierzig Jahren profitieren inzwischen direkt Millionen Kleinbauern und ihre Familien weltweit von diesem Handelssystem. Dabei ist der Faire Handel mitnichten eine Massenbewegung: Kaffee aus dem Fairen Handel hat in Deutschland einen Marktanteil von ca. 1,5%.

Während fossile Energieträger endlich sind und vor allem Öl und Gas knapper werden, stellt allein die Sonne mehr Energie zur Verfügung, als die Menschheit verbrauchen könnte. Bei aller Kritik an „Desertec", zeigt das Vorhaben doch, dass die technischen Hürden zur Nutzung erneruerbarer Energien überwindbar sind. Energie und Ökostrom aus nachhaltiger Erzeugung ist weniger eine Frage der Verfügbarkeit, als eine Frage von Gerechtigkeit und Verteilung. Bereits vor 25 Jahren wurde die Atomenergie in Deutschland durchgehend in Politik als „Übergangstechnologie" bezeichnet. Soeben hat die Bundesregierung die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken beschlossen (Atomkonsens). Diese - nun „Brückentechnologie" - wird wenigstens bis 2025 im Einsatz bleiben. Die aktuell im Bau befindlichen Kohlekraftwerke werden voraussichtlich 40 Jahre und mehr laufen und so lange den Platz für regenerative Energien versperren.

Bei wenigen Enthaltungen einstimmig beschlossen.


Beschluss 2:

Die EJKW hat während ihrer Sitzung festgestellt, dass die Kampagne „Lasst uns nicht hängen - gegen Kinderarmut" in den Kirchengemeinden und Kirchenkreisen
angekommen ist. Die Evangelische Jugend gestaltet an vielen Stellen erfolgreich armutssensible Angebote. Dieser Prozess muss weitergehen. Dabei sind Fantasie, Geduld,
Mut und Engagement nötig.

Die EJKW bittet alle Akteure, Mut machende Beispiele über das Amt für Jugendarbeit auf dem gemeinsamen Internetplattform der EKiR und der EKvW allen zugänglich zu
machen.

Die EJKW bittet die Jugendkammer zu beschließen:

Die Evangelische Jugend von Westfalen fordert die Verantwortlichen in der Politik auf, in der Frage der Bekämpfung von Kinderarmut einen Perspektivenwechsel zu vollziehen,
nämlich von den Grundbedürfnissen der Kinder her zu denken. Essen, Wohnung, Kleidung, Gesundheitsvorsorge und Bildung müssen für alle Kinder in ausreichender Weise gewährleistet sein. Wir fordern die Umsetzung des Rechtsanspruchs aller Kinder auf

  • Gesunde Ernährung,
  • einen Platz in der Kindertagesstätte und in der (Offenen) Ganztagsschule,
  • Lehr- und Lernmittel,
  • Zugang zu Computern und ins Internet in der öffentlichen Erziehung, Bildung und Betreuung,
  • Teilnahme an Schulfahrten,
  • Zugang zu öffentlichen Kultur- und Freizeitangeboten.


Bei einer Enthaltung einstimmig beschlossen.